So ein schlechtes Licht, Silvie

 

«Das wirft aber wieder ein total schlechtes Licht auf das Ganze». Sie hatte Recht, Silvie, aber sie hatte auch Ärger - und zwar mit mir.

Im Grunde meines Wesens bin eigentlich nicht wirklich aufmüpfig oder, wie soll ich mich jetzt (nicht) charakterisieren, angriffig, aber was zu weit ging, ging zu weit. Silvie hatte soeben etwas ausgesprochen, wo mir nicht nur schwindlig wurde, sondern auch noch heiss und kalt zugleich: ein schlechtes Licht werfen! Wie soll das gehen, fragte ich sie. Wie soll ein schlechtes Licht geworfen werden, mit dem Lasso? Nach der ersten Konsternation und dem zweiten Leerschlucken war sie dann soweit: eine Redensart, mein Lieber (schon diese Bezeichnung verdiente Folter und Pein), entgegnete sie, so dahingesagt. Und dann kam ich in Fahrt: genau, exakt: dahingeredet und später, viel später, wenn überhaupt, nachgedacht. Bei unserem Lehrer, früher in der Schule, stand ein Satz in Grossbuchstaben über der Wandtafel: ZUERST GEHIRN EINSCHALTEN UND DANN REDEN! Na, Silvie, schon mal daran gedacht? Ein schlechtes Licht kann nicht geworfen werden, ein Licht kommt immer von einer Quelle (Lampe, Sonne, was weiss ich), ergo wird es gesendet! Spitzfindig, fand sie, logisch, fand ich. Ein Licht wirft einen Schatten und in diesem Schatten ist es eher dunkel, also (Silvie, sieh her): schlechtes Licht! Das Licht, oder eben das was davon übrigbleibt, ist unverändert, es wird bloss reduziert, comprende?! So kann also ein schlechtes Licht nicht geworfen werden - Bäume werfen Schatten oder Pitcher Baseballs - nur fallen kann es, das Licht, der Schatten! Und da war Silvie auf meiner Seite und fiel. In Ohnmacht. Und ich, ich erwachte in meiner Hängematte und dachte so spontan bei mir, dass die Berge jetzt also ein total schlechtes Licht ins Tal werfen würden...