Exposée «Wasserspiegel»

Eine Novelle auf See


Autor | Philipp Abt

 

«Die See ist weder Natur noch Kulisse, Fassbarkeit noch Geheimnis. Sie ist nur Gegner, verbündet mit ihren Tieren ein reissendes Ungeheuer.»

Wasserspiegel erzählt die Geschichte eines auf See treibenden Menschen, der durch das Einswerden mit den neuen Elementen, uneins wird mit sich selbst.
Das Wechselspiel zwischen Hoffen und Aufgeben spiegelt sich im stetig ändernden Wasser wieder und mündet wellenartig als Monolog in eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und der heutigen Gesellschaft. Zu Beginn nur Ablehnung, gar Hass empfindend, muss sich das allein auf sich gestellte Ich den grossen Fragen der Zeit stellen:

Überlebe ich ohne Veränderung in mir selbst, ohne Anpassung an neue Begebenheiten?
Ist es möglich sich selbst zu bleiben, aber dennoch andere, anfänglich undenkbare Wege zu gehen?
Haben wir überhaupt Alternativen, wenn es um alles oder nichts, um Natur oder Mensch, um Leben und Tod geht?

«Die Welt da draussen ist kaum Welt mehr.
Nichts deutet auf Leben, auf Menschen, gar Land hin. Nur Wasser, Ebene, Einsamkeit. Da ist kein Wind, keine Welle, nichts als monoton glatte Flächen, die sich am Horizont treffen und weiter erstrecken, seit Tagen.»


Die mit Fortdauer des Kampfes und der Einsamkeit einhergehenden Kompromisse zwingen ihn immer näher an die gegnerischen Linien heran. Er erlebt eigens was es heisst, sich verbehaltlos hin- und aufzugeben und sich mit ungekannten Individien zu verbünden. Es beginnt eine Wandlung in ihm, eine zögerliche Annäherung und Vertrautheit.


«Es sind feine, bauschige Wolken, die starr am Himmel kleben.  Es sind Täler, die mir fehlen, Schluchten, Berge, Hügelketten. Es ist vieles, das ich vermisse. Es ist alles, das ich ersehne.
Es ist Nora, die ich liebe.»


Durch die bleibende Seelenverbindung zu seiner Jugendliebe Nora hält er Kontakt zur neu entstandenen, jetztigen Aussenwelt. Er behält den menschrettenden Horizont im Blick, indem er seine inneren Bilder konserviert und sie im weiten Nichts anhand kleinster Merkmale, als Metaphern definiert, aufzurufen vermag.
Parallel zu seinem alleinigen Kampf auf See erscheinen Momentaufnahmen eines Schifflebens, welche als Synonym dienen für die Vergänglichkeit des Lebens und des Seins. Mögen sie als Mahnmal zwar an mediale Szenerien erinnern, so sollen sie doch der sich erweiternden Fantasie des Lesers als Nährboden dienen.


Zum Schluss der Auseinandersetzung um die Rolle und Position des Menschen im Ganzen, erweist sich die Liebe als einzig gemeinsamer, verlässlicher Nenner. Die Verbundheit, diese Seelenmagnete, werden zu unbesiegbaren Waffen und es wird klar, dass Nora und er eins werden, werden müssen, ja dies doch schon immer waren...

...verbündet mit Ihren Seelen das reissende Ungeheuer Mensch.

 

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