Der Säulendialog

 

Eigentlich immer wenn ich zum Fenster hinausschaue, sehe ich den gelben Postlieferwagen. Echt, praktisch immer.
Meistens hält er auch unter unseren Fenstern und trägt irgendeinen Karton in die Boutique – Modepost de Paris, from London, New York. Und auch ist der Pösteler immer gut drauf, so wie ich, spätestens wenn ich ihn sehe, ein Auf- nicht nur ein Angestellter eben. Und oft bringt er uns nettverpackte Aufmerksamkeiten und Produktemuster oder holt pünktlich unsere eigene Post ab. Eine wirklich gefreute Sache also. Er und sein Job.
Diese Woche allerdings kam sein Kollege mit dem grossen Lastwagen, Sie wissen schon, mit dem «Pakete kommen gut an.» auf der Seite. Auch ihn sah ich, einbiegen, von oben, zu uns aufs Areal und dann, kurz nachdem er unsere Fenster passiert hatte, ja, passierte es: ich hörte ihn. Und das ist nie ein gutes Zeichen. Ich hörte nicht ihn, von einem leisen Fluchen mal abgesehen, sondern sein Gefährt im Dialog mit der orangefarbenen Säule der Eingangsbarriere. Tja, wenn es nicht passt, dachte ich noch zu mir und war fern von Schadenfreude, spürte gar Mitleid – da hörte ich vorne im Büro jemanden lauthals rufen: «…und er wollte nicht mal zu uns, er hat sich in der Hausnummer geirrt…!»
Abends vor dem Cheminée nahm ich mir dann fest vor, in Zukunft immer deutlich vor der Barriere das Gespräch mit dem Boten zu suchen. Es könnte ja sein, dass mir die Säule nocheinmal zuvorkommen wollte.